Band-in-a-Box

Improvisation üben mit Band-In-A-Box

thumb Band-in-a-Box Ein großartiges Werkzeug für vieles, was man mit Musik anstellen kann, ist Band-In-A-Box: https://www.pgmusic.com
Das Programm bietet unzählige Features. Für einen leichten Einstieg für das Improvisationstraining mit diesem Programm ist diese Anleitung gedacht. Es muss weder die neueste Version sein, noch die Komplettausstattung. Inzwischen sind neben der MIDI-Soundansteuerung auch viele Samples enthalten. Das kostet natürlich Speicherplatz und Ressourcen. Man sollte sich daher überlegen, ob man es wirklich will bzw. braucht. Bei mir läuft das Programm fast ausschließlich nur mit den MIDI-Sounds. Bei einer Neuanschaffung empfielt sich wegen der hohen Rabatte allerdings gleich das Mega- oder Ultra Pak.

Hier geht es um eine einfache Übung, die sich jeder leicht für die gewünschte Stilistik und im Schwierigkeitsgrad anpassen kann.
Als erstes gibt man ümit der PC-Tastatur in BIAB die Akkordprogression ein: cm7 -> Eingabetaste, das zeigt den Akkord Cm7 im Fenster.
thumb Band-in-a-BoxDamit sind die ersten beiden Zählzeiten eines 4/4 Taktes belegt, mit einem Drücken der Eingabetaste gelangt man zum nächsten Takt. Es wäre auch möglich, maximal auf jede Hauptzählzeit einen Akkord einzugeben und dabei auf Wunsch vorgezogen oder verspätet zu spielen.
In Takt 2 erfolgt wieder die Eingabe cm7 und 2mal die Eingabetaste, dann im dritten Takt f7 und 2mal Eingabetaste und im vierten Takt ebenfalls f7.
Die Zeile sieht nun folgendermaßen aus: Cm7 – /Cm7 – /F7 – /F7 – /
Jetzt markiert man Takt 1 bis 4 mit der Maus, kopiert die Zeile und fügt den Inhalt in Takt 5 sowie in Takt 9 und 13 ein.
Jetzt stehen vier Zeilen von je 8 Beats (zwei Takten) Cm7- F7 im Song. Sie stehen für die häufigste Akkordverbindung im Jazz, der IIm7 – V7 -Akkordverbindung.
Vor dem ersten Takt 1 steht eine blaue Markierung, die für die „Basis-Stilistik“ steht. Durch Anklicken stellt man sie auf „grün“, womit eine kleine „Variation“ des Stils gespielt wird, z.B: Walking Bass statt Grundton-Quinte. Die blauen Markierungen vor den Takten 5, 9 und 13 entfernt man durch 2-faches Anklicken.

Klickt man sehr schnell 2mal in einen Takt, spielt das Program ab dieser Stelle. Mit dem Anschlagen der Leertaste hält die Wiedergabe an und lässt sich durch Doppelanschlag wieder starten (Pausen-Funktion).

thumb Band-in-a-BoxFür die Begleitung zur Bb-Trompete stellt man die Wiedergabe auf die Transposition um. Es soll also ein C klingen, wenn ein D angezeigt bzw. auf der Trompete gespielt wird. Dazu öffnet man das Notations-Fenster (STRG-W) und drückt den OPT.-Schalter. In der Mitte dieses kleineren, grauen OPT.-Fensters lässt sich die Transposition „Trumpet +2“ einstellen. Nach dem Bestätigen mit OK kann man das Fenster mit einem Klick auf den „Achtelnoten“-Schalter links über dem Notations-Fenster schließen, es geht auch mit STRG-W.

Statt Cm7 sieht man nun Dm7 im Bearbeitungsfenster, es klingt aber wie gewünscht ein C-moll7 Akkord im ausgewählten Stil. Im Notation-Fenster kann man nach dem Drücken auf einen der Schalter mit den Buchstaben (die MIDI-Stimmen) die jeweilige Notation sehen, aber Partituren können nicht angezeigt oder ausgedruckt werden.
Weniger jazz-erfahrene Musiker werden sich anfangs wundern, dass BIAB oft kühne Voicings spielt. Solche Voicings hört man gelegentlich z.B. auch in der Klavier-Begleitung von Jamey Aebersold. Man könnte bei Bedarf die Wahl der Optionstöne durch den Style beeinflussen oder eigene voicings als Style anlegen.

Als Rahmenvorgaben könnte man die Länge des Chorus auf 16 Wiederholungen setzen und das S abschalten, ansonsten wird am Ende aller Chorusse ein „Tag“ (Coda) gespielt.
Am Anfang empfehlen sich 2 recht „schlichte“ Styles mit weniger Tensions (Erweiterunges-bzw. Optionstönen). Für den Swing wäre das „ZZJAZZ.STY“ und für Improvisationen mit geraden Achtel z.B. „Z3BOSSA.STY“.
Bei mehr Erfahrung machen Versuche mit allem möglichen Stilen viel Spaß, das Programm stellt dazu verschiedene SOLOIST-Modelle bereit. Der SOLOIST ist ein Modul, mit dem man über die eingegebenen Akkorde automatisch Improvisationen konstruieren und wiedergeben kann.

Der Funktionsumfang und die Einstellmöglichkeiten des SOLOIST sind wie fast alle Programmoptionen bei BIAB äußerst umfangreich.

Für den Anfang wäre folgendes ein einfaches Rezept: den Soloist starten mit Menüauswahl
Soloist -> Generate… (Umschalt-F4),
Auswahl 1 Bebop Saxophone, im gleichen Fenster Mitte rechts geht es weiter mit
Change Instrument -> Trumpet und darunter Solo Mode Trade 4’s.
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Im neuen Fenster sieht man, dass das vorgegebene „Alt-Sax“ einen größeren Tonumfang als die übliche Trompete hat. Zum weniger anstrengenden üben kann man einen mittleren Trompetenbereich und eine begrenzte Auswahl von Tönen vorgeben:
Edit Soloist Maker -> neues Fenster geht auf, in der Mitte links steht
Note Range -> 60 (Midi-Note c‘) to 80 (ca. g“)
Eine andere Möglichkeit wäre z.B. 65 to 72. So enthalten die vom Programm konstruierten Phrasen weniger verschiedene Töne, hier nur die von g‘-d“. Noch eingeschränkter wären 65 – 67, dann bleiben nur noch 1 bis 2 Töne übrig, die man nachspielen könnte. Diese Einstellungen legen die (Midi)Noten des Programms aber nicht zu 100% fest, sonst wären andere Programmoptionen unter Umständen nicht mehr ausführbar.

Als „Phrase Length“ sind „8 to 20 Beats“ angegeben, Space 25%, Space Length „2 to 2 Beats“.
Wichtig ist noch der „Outside Range“. Damit vorerst nicht allzu viel Chromatik gespielt wird, kann man diesen Bereich auf „1 to 3“ einschränken.
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Man könnte nun die so konstruierten Linien im Notations-Fenster sehen, sobald die Weidergabe eingeschaltet wird. Aber Improvisation benötigt ein trainiertes Gehör daher sollte man das bei dieser Gelegenheit auch üben.

Man kann auch „Frage-Antwort“ spielen. Dazu übernimmt z.B. man den Schlusston, zum Teil oder im Ganzen den Melos oder den Rhythmus der Phrase. Das wären dann schon die echten Trade 4’s.
Klappt das mit einfachen Patterns, lassen sich sich der Tonumfang und die Chromatik erweitern. Oder man wählt modernere SOLOIST-Modelle z.B. mit Inspirationen durch die Spielweise von Freddie Hubbard oder Michael Brecker.

Weitere Anwendungen wären ein paar Takte aus einem Stücke in den Snidero-Heften oder einem Standard aus dem Real Book.
Man kann auch Melodien von Snidero oder aus dem Real Book eingeben sich solistisch umspielen lassen (Auswahl: „Around Melody“). Darüber hinaus wird das Programm mit einer Sammlung von Standards geliefert.