Trompetentechnik

Tonerzeugung auf der Trompete
Die wesentliche Energie für gutes Spielen auf der Trompete kommt aus dem Luftstrom des Atems.
Eine Tonererzeugung erfolgt, wenn die ausströmende Luft die Lippen vibrieren lässt, das ist der sogenannte Lip Buzz.
Dieser Buzz wird durch das Mundstück erleichtert, außerdem wird die Klangformung beeinflusst. Der Rand des Mundstücks begrenzt die schwingende Masse. Die weitere Konstruktion des Mundstücks unterstützt die Kopplung der schwingenden Lippen an die Luftsäule im Instrument, was den Ton erzeugt.

Bisherige Forschungen weisen geschlossene Lippen aus, die sich im Luftstrom der Ausatmung sehr schnell öffnen und schließen.
Die Selbstwahrnehmung kann jedoch eine ganz andere sein, auch bei professionellen Trompetern. So meint z.B. John Thomas, dass seine Lippen offen bleiben und nur die Ränder um die Öffnung (Aperture) schwingen.

Die Trompete ist (wie alle Blechblasinstrumente) im wesentlichen nur ein Verstärker des Tons und unterscheidet sich damit von vielen anderen Instrumenten, die Töne erzeugen und verstärken können.

Diese Tonerzeugung ist in der Praxis recht einfach und in wenigen Minuten nachvollziehbar.

Korrekte Lippenstellung:

Mundstück aufsetzen:

Erster Ton:

Balance der Kräfte von Luft und Lippe
Beim Trompete üben dreht sich sehr viel um die Themen
Ansatz, Atmung, Intonation, Klang, Höhe und Ausdauer.
Dabei kann man leicht übersehen, wie eng diese Aspekte zusammenhängen. Wird versäumt, sich ständig um gute Grundlagen zu kümmern, entsteht oft eine ganze Reihe von Problemen. Die können das Spielen auf Dauer begleiten und dadurch die weitere Entwicklung behindern.

Die einfachste Form des Übens ist zugleich eine höchst effektive, um sich zu entwickeln:
das Spielen auf dem Mundstück (mouthpiece buzzing).

Diese Technik ist Bestandteil der täglichen Routine vieler Trompeter, z.B. von Weltklasse-Solist Prof. Reinhold Friedrich.

Ebenso im Workshop

Weil die Unterstützung des Instruments fehlt, wird die Atmung optimal gefordert. Zugleich ist es viel einfacher, mit geringem Andruck des Mundstücks gegen den Lippen zu üben. Nur dann können sich die Lippen gut entwickeln.

In der musikalischen Übungsform mit sauberem Klang und gut intonierten Tönen kann man die Erfahrung machen, dass typische Problemtöne wie das „zu tiefe“ zweigestrichene e (klingend d“) stimmig angespielt werden. Außerdem geht der Klang auf, bekommt Strahlkraft und Resonanz.
Auch der Ausbau der Höhe wird sich dadurch auf natürliche Weise verbessern.

Höhe
Rashawn Ross erklärt hier Dave Monette seine Erkenntnis mit wenigen Worten:

Dave Monette: „How do you do that (triple C)?“
Rashawn Ross: „I don’t know, I kind of figured it out, I was just trying to explain it to Adam, (the) whole ‚how to go‘. I was doing these exercises for range building. I suppose you do these exercises until you completely fail and you can’t get the notes out any more. And I just started manipulating my tongue and kind of squeak them out. And they became squeaks and then they became notes.“

Wo lauern Fallen?
Ideal wäre ein mittig aufgesetztes Mundstück. Oft verschiebt es sich aber ein wenig nach links oder rechts, um den Gegebenheiten von Zahnbogen und Lippen zu folgen. Kommt man damit zurecht, sind kleine Abweichungen vollkommen akzeptabel.

Verschiebt sich das Mundstück nach oben oder unten, spricht man von „Einsetzen“. Besonders problematisch ist bei der Trompete das „Einsetzen“ des Mundstücks in die Oberlippe, das kostet Ausdauer und Höhe.

Die Unterstützung des Ansatzes durch die umgebende Gesichtsmuskulatur nennt man Ansatzmaske, sie hält das „System Ansatz“ stabil und ist wesentlich für hochentwickelte Spieltechnik wie bei Tine Thing Helseth im Piazollas Komposition Libertango am Schluss sehr gut zu sehen.

Der wahrscheinlich häufigste Fehler ist ein zu hoher Druck des Mundstücks gegen die Lippen.
Der Aufbau von Kraft und Flexibilität in den Lippen ist jedoch nur möglich, wenn das Mundstück angemessen gering gegen die Lippen drückt.
Natürlich nimmt bei den Meisten der Druck gegen die Lippen mit der gespielten Höhe deutlich zu.
Das ist aber nicht so frühzeitig und oft nicht in so hohem Maße notwendig, wie es viele Trompeter/innen unwillkürlich anwenden.
Alison Balsom könnte mit zu viel Mundstück-Andruck wohl kaum ihr musikalisches dreigestrichene F (klingende Eb“‘) in Syrinx spielen:

Ein seltener gewordener Fehler ist das Auseinanderziehen der Lippen, um sie wie bei einem Lächeln zu spannen. Das fördert leider ein schädlich hohes Andrücken des Mundstücks, weil sich der Ringmuskel der Lippen (genau wie jeder andere Muskel im Körper) zusammenziehen muss, um seine Kraft einsetzen zu können.

Bei korrektem Ansatz sind die Lippen vor dem Mundstück, nicht im Kessel. Bleiben die Lippen vor dem Rand, können sie sich unmerklich bis deutlich „einrollen“, wenn man hochspielt. Als therapeutische (= nicht unbedingt musikalische) Übung sieht man das bei einem Profi-Trompeter im folgenden Youtube-Clip.
Er folgt der Anwendung von Pedaltönen nach der Methode von Jeff Smiley, beschrieben in seinem Buch The Balanced Embouchure.
Durch Übungen mit dem Aus- und Einrollen der Lippen soll eine intuitive, neue und sehr flexible Ansatzentwicklung ermöglicht werden.

Die am Anfang zu hörenden sehr tiefen „Pedal“-Töne liegen unterhalb des Tonumfangs, der dem Instrument konstruktiv vorgegeben ist.
Sie können durch Trainieren des „normalen“ Ansatzes (Pucker) spielbar werden oder durch Vorstülpen der Unterlippe und gewolltes „Einsetzen“ des Mundstücks in die Unterlippe.

Es gibt Einwände gegen das Üben von Pedaltönen, besonders für unerfahrene Spieler und bei manchen Ansatzproblemen.
Pedaltöne sprechen der deutliche Nutzen für die Atemtechnik und Flexibilität der Lippen.
Pedaltöne mit annähernd „normalem“ Ansatz werden u.a. von James Stamp gefordert.

Es dürfte klar sein, dass die hier beschriebenen Strategien mit erfahrener Begleitung (Lehrer) deutlich bessere Chancen auf Erfolg haben.

Media
– Malte Burba, Brass Master Class, Heft & DVD
– James Morrison, The Morrison Way, DVD
– John Thomas, Trumpet Secrets Revealed, DVD

– Jeff Smiley, The Balanced Embouchure, Buch und CD, Bezug über E-Mail an Ko de Rooij
– Christoph Peham, Lippenschwingungen bei Wiener HornistInnen
  Magisterarbeit am Institut für Wiener Klangstil, 2005

Links
Gute Lehrvideos
Jeff Smiley
John Thomas
Institut für Wiener Klangstil
Rennquintett